Dumpinglohnmelder
Freitag 19. Mai 2006

Kommentar zu einigen Kommentaren

Es geht doch nicht darum, dass die einen mehr und die anderen weniger Lohn am Ende des Monats haben. Diesen Unterschied wird es immer geben. Es wird auch immer Besserwisser geben. Darum geht es nicht. Wer ein festes Eimkommen! hat und in einem 3-Personenhaushalt mit 60 Euro + Babywindeln auskommt, muss ein absolutes Spartalent sein. Ich meine nicht die Arbeitslosen, geschweige denn die Hartz-IV- Empfänger. Darum geht es nicht. Es geht darum, dass man für seine geleistete Arbeit ordentlich bezahlt wird.

Ich habe keinen Bock darauf, mir jedes Mal zu überlegen, kann ich mir dieses oder jenes leisten oder nicht. Wohlgemerkt, keine Supersachen oder irgendwelche Markenartikel.

Ich könnte mir sogar ein Haus mit Mietsparteien für 1 Euro kaufen.

Darum geht es aber nicht. Hier geht es um den Mindestlohn! Sonst werden noch mehr, als es jetzt schon sind, in Armut versinken obwohl sie arbeiten!

 

 
Mittwoch 17. Mai 2006

Schlimmer gehts nimmer

Am letzten Wochenende war ich wie immer im Garten. Unsere Gartennachbarin ist seit Jahren arbeitslos und seit dem Harzt IV bekommt sie diese Almosen.

Voriges Jahr bekam sie für ein paar Wochen einen 1 Euro-Job. Da musste sie den einen Teil von einem Wald aufräumen.

So gut, so schön, irgendwie muss das auch mal gemacht werden. Man sagte, es ist eine gemeinnützige Arbeit.

Akzeptiert.

Doch jetzt kommt es dicke.

In der Umgebung von Dresden gibt es einen Ausflugsort namens Zschonergrund. Da gab es mal ein Bad, und es gibt noch eine Zschonergrund Mühle. Richtig mit Wasserrad und allem drum und dran. Es ist gleichzeitig ein Lokal.

Seit 2 Wochen müssen 1 Euro-Jobber den Mühlgraben wieder instand setzen. Es wird betoniert und gemauert.

Meine Gartennachbarin muss den ganzen Baudreck beiseite räumen und auch noch Ziegel mauern.

Ist das nicht Aufgabe einer Baufirma oder wird da wieder mal Missbrauch mit billigen Arbeitskräften betrieben?

Ich sage immer wieder: Lasst euch nicht alles gefallen.

Aber ich bin auch nicht anders, man hat Angst, die Arbeit zu verlieren und ist froh, dass man welche hat.

 

 
Sonntag 14. Mai 2006

Antwort an Christoph

Ich bin seit 1975 in der NGG. Unsere Überstunden werden nicht bezahlt, wir können sie auch nicht abfeiern. Bei Fragen zu diesem Thema wird man schnell abgefertigt: Neue Leute würden Schlange stehen um unsere Arbeit zu übernehmen. Es stimmt aber nicht. Wenn ein neuer Mitarbeiter eingestellt wird, dauert es ca. 3 Wochen bis einer beginnt. Denn unsere Anforderugen sind sehr hoch.

Dazu kommt, dass unser Chef das Misstrauen unter den Kollegen bringt. Da spielt natürlich die Angst eine große Rolle.

Ein Beispiel:

Ich habe vor 2 Jahren das Thema Betriebsrat unter den Kollegen zur Sprache gebracht. Das Ergebnis war, ich bekam in kurzer Zeit 2 Abmahnungen wegen Kleinigkeiten die jeden Tag passieren. ES war ein Schuss vor den Bug.

Zur Zeit versuche ich einen 2. Anlauf zu nehmen. Mal sehen was wird.

 

 
Samstag 13. Mai 2006

Urlaub--die Zeit danach

So die erste Arbeitswoche nach unserem Urlaub ist vorbei. Jetzt, am Wochenende wird erstmal großer Kassensturz gemacht. Das Schlimme ist, wir sind fast pleite. Müssen also auf den nächsten Geldtag warten. Aber der Urlaub war es uns wert.

Vielleicht habe ich ja Glück und gewinne im Lotto ein paar Milliönchen. Aber dazu müsste ich erst mal spielen. Obwohl, in meinem Skatclub spielen wir schon seit 20 Jahren immer dieselben Zahlen. Bisher ein 4er und unzählige 3er. Und das geht alles durch 7.

So, jetzt geht es in den Garten. Da werde ich hoffentlich mal an was anderes denken und nicht bloß an den schnöden Mammon.

Wie ungerecht ist es doch. Die einen haben zu viel, die anderen zu wenig oder gar nichts. Da kann man sich den Arsch aufreißen wie man will, es wird einfach nicht besser.

Oder machen wir was falsch?

 

 
Mittwoch 10. Mai 2006

Der Kampf um die finanzielle Existenz

Heute will ich mal auflisten, wie es um unsere Finanzen bestellt ist, wie wir damit zurechtkommen müssen.

Wir bekommen, meine Frau und ich, zusammen ca. 2000 Euro netto. Das klingt erst mal nicht wenig. Aber dem stehen die Abzüge gegenüber. Ich liste sie mal auf!

Miete : 430 Euro

Monatskarten für Frau und Sohn: 70 Euro

Telefonanschluss inklusive Internetzugang: 60 Euro

Rate fürs zehn Jahre alte Auto: 131 Euro

Rate für Computer: 40 Euro

Parkplatz: 20 Euro

meine Lebensversicherung: 72 Euro

Hausratversicherung: 25 Euro

Gewerkschaftsbeitrag: 15 Euro

Ausgaben für unseren Garten: 100 Euro (darin sind Kosten für Pflanzen, Pacht, Reparaturen im kleinen Maße mit enthalten)

Handy: 30 Euro

Sparen: 20 Euro

Benzinkosten Auto: 30 Euro

Versicherung Auto inklusive Teilkasko: 70 Euro

Rundfunkgebühren: 18 Euro

Sachen für den persönlichen Gebrauch: 100 Euro

Da wir 2 Katzen haben, kommen 50 Euro für Futter, Streu und eventuelle Arztbesuche hinzu.

Der Strom steht mit 50 Euro zu Buche.

Eigene Arztbesuche und Rezeptgebühren + Medikamenteneinkauf ohne Rezept: 20 Euro

Einkaufen fürs tägliche Leben fehlt noch.

Das sind in der Woche ca. 140 Euro.

Es ist möglich, dass ich dieses oder jenes vergessen habe. Aber letztendlich bleibt so gut wie nichts übrig!

Tanzen war ich mit meiner Frau seit Ewigkeiten nicht mehr. Wir können es uns einfach nicht leisten. Und das, obwohl wir vollzeitbeschäftigt sind.

Darum hoffe ich, dass so viele Menschen wie nur möglich mitmachen, dass wir nicht das Armenhaus von Europa werden. Macht mit bei der Initiative Mindestlohn!

 

· Rubrik: Familie
 
Dienstag 9. Mai 2006

Arbeit - meine Frau und ich

Heute berichte ich über die Arbeit meiner Frau und meine Arbeit.

Meine Frau arbeitet seit 8 Jahren in einer Reinigungsfirma.

Dass ich den Namen der Firma und den Einsatzort meiner Frau nicht preisgebe, ist hoffentlich verständlich. Nur so viel: Sie hält die Büros von gewählten Volksvertretern sauber und rein. Dafür bekommt sie den Tariflohn für ungelernte Reinigungskräfte von 6,36 Euro -BRUTTO!

Damit man über die Runden kommt, geht sie abends nochmals in eine staatliche Institution, um dort den Schmutz, der sich den ganzen Tag lang gesammelt hat, zu entfernen.

Letztendlich kommen am Monatsende mit Überstunden in guten Monaten ca.850 Euro raus (netto). Wer die Arbeit gut kennt weiß, dass das ein harter Job ist.

Trotzdem musste diese Firma, um diesen Auftrag zu behalten, die Arbeitszeit, in der die einzelnen Büros gesäubert werden müssen, drastisch kürzen. Da sieht man mal, dass sogar mit Billiganbietern jongliert wird.

Meine Frau hat dadurch Angst, dass sie durch meine Tagebucheinträge ihre Arbeit verliert bzw. in Misskredit kommt. Diese Angst konnte ich ihr bis jetzt nicht nehmen, obwohl sie seit 32 Jahren in der Gewerkschaft ist.

Nun zu meiner Person.

Ich bin seit 31 Jahren von Beruf Fleischer. Seit längerer Zeit arbeite ich in einem Großhandel. Den Namen meiner Firma möchte ich noch nicht nennen. Ich bin zwar nicht ängstlich, aber ich bin vorsichtig geworden.

Ich arbeite zu 80 Prozent nur nachts. Das heißt, je nach Schichtplan zwischen 20 Uhr und 10 Uhr. In meinem Arbeitsvertrag, steht nichts von Arbeitszeitdauer drin. Das heißt, ich habe eine wöchentliche Arbeitszeit von ca.50 Stunden. Es wird nicht laut gefordert, aber man merkt es schon, wie man dann von den Vorgesetzten behandelt wird. Eigentlich verdiene ich über 8 Euro die Stunde - BRUTTO.

Raus bekomme ich je nach Schicht zwischen 1050 und in guten Monaten 1250 Euro. Aber, jetzt kommt das Aber. Das geht nur durch die Nachtschichtzuschläge. Die machen ca. 300 Euro aus. So geht das nun schon seit fast 10 Jahren.

Dass darunter auch eine gute Ehe leidet, sieht wohl jeder ein. In den letzten 3 Jahren hatten wir mehr Tiefen als Höhen.

Wir wollen ja nicht weniger arbeiten, aber wir wollen einigermaßen leben können, ohne dass man bei der kleinsten Ausgabe auf den Pfennig schauen muss.

Ein kleines Beispiel zum Schluss.

Wir waren jetzt für ein paar Tage im Urlaub. Der erste seit 7 Jahren. Obwohl wir für die Unterkunft nichts bezahlen brauchten, haben uns diese schönen Tage ein riesiges Loch in unseren Geldbeutel gerissen. Und da sind wir nur ins Ruhrgebiet gefahren.

Wir können nur hoffen, dass endlich mal etwas unternommen wird, dass man etwas sorgenfreier leben kann als bisher.

Aus diesem Grund arbeite ich bei der Initiative-Mindestlohn mit.

Ich hoffe, dass es endlich Millionen werden, die diese Initiative unterstützen. Sie tun es nicht für andere, sondern für sich selbst.

In den nächsten Tagen werde ich mal eine Aufstellung zeigen, was wir für Einnahmen und was für Ausgaben wir haben.

Da werden viele sehen, eh, das ist genauso wie bei mir.

 

· Rubrik: Arbeit
 
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Donnerstag 4. Mai 2006

Marcel

Wie ihr oben lesen könnt, ist mein Name Marcel. Ich bin der Sohn von Matthias und Monika. Bin 18 Jahre alt und habe das Glück, seit anderthalb Jahren in die Lehre zu gehen.

Eigentlich ist es schlimm, dass man über eine Lehrstelle von einem Glücksfall reden muss. Normalerweise müsste es eine Selbstverständlichkeit sein, dass für jeden eine Lehrstelle zur Verfügung steht. Früher nahm ich das so an. Wo ich und meine Eltern aber eine Stelle für mich suchten, wurde ich eines Besseren belehrt.

Jetzt habe ich eine Stelle, wo ich zum Beikoch ausgebildet werde. Koch war schon immer mein Traumberuf.

Zu Hause verwöhne ich meine Eltern mit meinen Kochkünsten.
Ich möchte darum in dieser Initiative mitmachen, weil ich keinen Bock habe, später mal mit 1000 Euro nach Hause zu gehen, obwohl ich einen Vollzeitjob habe. Vorausgesetzt ich habe Arbeit.

Ich muss jetzt Schluss machen. Muss nämlich in die Schule. Aber ihr werdet von mir noch hören bzw. lesen.

 

 
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Mittwoch 3. Mai 2006

Urlaub mit kleinen Hindernissen

Als wir am Donnerstag, den 27.4 losfahren wollten, bekam meine Frau wieder Zahnschmerzen. Also ab zum Zahnarzt.
Mit anderthalb Stunden Verspätung ging es dann doch noch los.

Auf der Autobahn viel Regen und Nebel.

Nachdem wir uns zweimal verfahren hatten, waren wir endlich nach 8 Stunden in Oberhausen.

Die ganzen Tage war schlechtes Wetter. Nur am 1. Mai schaute mal kurz die Sonne raus. Da waren wir zur Maifeier vom DGB.

Bei den Ansprachen der verschiedenen Redner kam auch das Thema - Mindestlohn - zur Sprache.

Ich war freudig erstaunt, dass dieses Thema so großen Zuspruch findet.

Leider fing es stark an zu regnen. Trotz Kälte und Nässe war es ein schönes Fest.

Trotzdem wir so supergünstig wohnen konnten, hat dieser Urlaub ein großes Loch in unsere Kasse gerissen. Aber das war es uns wert. Schließlich war es der erste nach vielen Jahren.

Morgen werde ich mal eine kleine Auflistung unserer Finanzen geben.

 

 
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Die Sendung zur Arbeit
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Kommentare
Christian
18. Mai 10:35

Hi, was soll man dazu noch sagen...... macht kein spass mehr mit einem Hungerlohn noch arbeiten zu ...weiter...

Renate
25. November 13:43

Finde ich auch schade! Vielleicht kommt jemand neuen...? Bin immer auf Neuigkeiten gespannt... ...weiter...

Siegfried Lau
24. November 11:39

Je mehr Firmen Hungerlöhne zahlen die vom Staat ergänzt werden umso reicher werden die Verursacher.Uweiter...

Jens
01. August 01:52

Schade, hab ich immer wieder gerne mal gelesen. Werd jetzt mal bei den anderen vorbei schauen.weiter...

Torsten
08. Juni 10:53

Und warum schreibt Matthias nicht mehr?weiter...

Siegfried Lau
19. August 20:03

Bravo, weiter so mit den Kräften die im Begriff sind den vorsorgenden Sozialstaat --vom Grundgesetzweiter...

Leser
15. August 09:50

Ich versteh die Leute nicht die sich andauernd beschweren... klar wird alles teurer, und ja die ...weiter...

Wolfgang Schwarz
13. August 23:03

Sehr geehrter Herr Schäfer, es ist beschämend, dass Sie sich zu gut sind, für 800 Euro plus Soziaweiter...

Tim
16. Juni 20:07

Ach ja und 7,50€ Mindestlohn ist wohl schon sehr knapp bemessen aber immerhin noch ein "Vermögen zu weiter...

Tim
16. Juni 19:59

"P.S: WARUM SOLL DIE LINKE undemokratisch sein? Oder ist es gerade IN eine Partei zu verteufeln die ...weiter...