
schrieb am Mittwoch 29. November 2006:
Wie fast immer hatte ich um ca. 9 Uhr Feierabend.
War danach einkaufen. Und bekam nach dem Einkauf wieder Sorgenfalten auf meinem Gesicht. Davon habe ich eigentlich genug, aber es wurden ein paar mehr.
57 Euro für Lebensmittel, Getränke, Katzenfutter und Naschereien für den Weihnachtsteller.
Dann gab es noch Kaffee im Angebot. Also auch noch einige Päckchen mitgenommen. Natürlich gekauft.
Es ist erschreckend, wo diese Preisspirale noch hinführt.
Es geht bei den Lebensmitteln los, geht über die Kosmetika weiter, die Klamotten, die man auch mal neu braucht und endet bei Nebenkosten der Wohnung. Diese stürzen dich fast in den Ruin. Oder haben es schon.
Ich muß immer wieder den Hut vor den Menschen ziehen, die mit 3-5 Euro auskommen müssen. Es ist immer wieder ein Rätsel für mich, wie diese Menschen es schaffen.
So was kann nicht menschenwürdig sein. Malochen bis zum geht nicht mehr und am Ende kommt weniger wie nichts raus.
Hat man Millionen, kann man sich freikaufen. Siehe der Prozess von Mannesmann.
Zahlst du mal deine Steuern nicht, bist du gleich ein Mensch, der nur betrügen will.
Frau Merkel, die Bundeskanzlerin, hat sich im Vorfeld des CDU-Parteitages eigentlich ein Eigentor geschossen.
Ich weiß, es war ein Versprecher. Aber ich bin langsam der Meinung, dass ihre Mitglieder in der gehobenen Ebene es wirklich so meinen.
Sie sagte: Es ist ein Risiko für ältere Menschen, Arbeit zu bekommen.
Wie gesagt, es ist bestimmt ein Versprecher. Sie hat es nie so gemeint.
Was sie und ihre Mitstreiter meinen, weiß keiner.
Ich empfehle jedem, aber wirklich jedem, sich mit dem Mindestlohn auseinanderzusetzen.
Schaut auf unsere Nachbarn in Europa. Was haben sie damit erreicht. Es Funktioniert. Und bringt sogar mehr Arbeitsplätze.
URL des Textes: http://www.hungerloehner.de/0/viewentry/1263
Kommentare
D. Krüger am 4. Dezember 2006
Hallo –
in verschiedenen Diskussionen habe ich meine Meinung vertreten, gegen die von der sog. Linkspartei und anderen geführte Mindestlohn-„Kampagne“ zu sein.
Warum?
Weil ich für einen gerechten Lohn für ein gerechtes Tagwerk bin.
Gerecht hat dabei nichts mit Moral, Humanität, Gerechtigkeit oder Ungerechtigkeit oder gar Barmherzigkeit zu tun, oder gar mit Kapitalismus oder Kommunismus.
Nach der politischen Ökonomie ist ein gerechter Lohn und ein gerechtes Tagwerk einfach „…die Lohnhöhe und die Dauer und Intensität einer Tagesarbeit, die durch die Konkurrenz des Unternehmers und des Arbeiters auf dem freien Markt bestimmt werden……Ein gerechter Tagelohn ist unter normalen Bedingungen die Summe, die erforderlich ist, dem Arbeiter die Existenzmittel zu verschaffen, die er entsprechend dem Lebensstandart seiner Stellung und seines Landes benötigt, um sich arbeitsfähig zu erhalten und sein Geschlecht fortzupflanzen.“
Dabei kann diese Lohnhöhe konjunkturellen Schwankungen ausgesetzt sein – im Normalfalle sollte dieser Satz jedoch „…den Durchschnitt aller Lohnschwankungen bilden.“
Also:
Der Arbeiter gibt den ganzen Tag die volle Arbeitskraft – zumindest so viel, dass er noch am nächsten Tag weiter malochen kann.
Dafür erhält er nicht mehr und nicht weniger an Existenzmitteln (Geld, Dienstwagen, Berufskleidung zur privaten Nutzung usw.) wie nötig sind, um an den nächsten Tagen das Geschäft der Maloche zu wiederholen.
„Der Arbeiter gibt so viel, und der Kapitalist so wenig, wie es die Natur der Übereinkunft zulässt.“
Seltsame „Gerechtigkeit“.
Aber es geht noch besser:
Wenn der Kapitalist mit dem Arbeiter nicht über die Höhe der Existenzmittel einig wird, kann es der Kapitalist sich leisten, von seinem Kapital zu leben.
Der Arbeiter nicht – er hat nur seinen Lohn zum Leben - den muß er täglich erstreiten.
Das ist kapitalistische Gerechtigkeit.
Doch es geht weiter:
Die immer bessere Vervollkommnung der Technik verdrängen immer mehr „Hände“ (Arbeiter) von ihren Arbeitsplätzen.
Das geht schneller, als die überflüssigen „Hände“ wieder einen neuen Kapitalisten finden, dem sie ihre „Hände“ verkaufen können oder von anderen Firmen aufgesogen werden.
Das ist für das Kapital eine regelrechte „Reservearmee“.
Denn bei schlechter Konjunktur „… mögen sie hungern, betteln, stehlen oder ins Arbeitshaus gehen; bei gutem Geschäftsgang sind sie zur Hand für die Ausdehnung der Produktion; und solange nicht auch der allerletzte Mann, die letzte Frau und das letzte Kind Arbeit gefunden haben sollten – ………- solange wird die Konkurrenz dieser Reservearmee die Löhne niedrig halten und durch ihre bloße Existenz die Macht des Kapitals in seinem Kampf gegen die Arbeiter verstärken.
In dem Wettlauf mit dem Kapital sind die Arbeiter nicht nur benachteiligt, sie haben eine ans Bein geschmiedete Kanonenkugel mitzuschleppen.“
Das ist nach der kapitalistischen Ökonomie Gerechtigkeit.
Woher zahlt nun der Kapitalist seine Löhne?
Aus dem Kapital.
Aber das produziert keine Werte.
Einzige Quelle des Reichtums ist Arbeit. (auch Grund und Boden)
Kapital ist angehäuftes Arbeitsprodukt.
Der Arbeiter wird also aus seinem eigenen „Arbeitsprodukt“ entlohnt.
Doch das ist – laut kapitalistischer Ökonomie – nicht gerecht.
Dieses Arbeitsprodukt geht an den Kapitalisten über und der Arbeiter erhält „Existenzmittel“.
Somit wird das Arbeitsprodukt in den Händen derer angehäuft, die nicht arbeiten.
Und woher nimmt die sog. Linkspartei ihre Zuversicht, dass dieser Mindestlohn von 8 € nicht nur zur Existenzsicherung der Arbeiter gereicht – da die ja nicht nur für konjunkturell schlechten Zeiten privat sich absichern und für die Fortpflanzung des Geschlechts, sondern auch für ihre eigene Arbeitsunfähigkeit bzw. das Alter vorsorgen müssen?
Na klar - ist ja auch nur ein "Mindestlohn" - der Kapitalist kann ja auch mehr zahlen (sagt die sog. Linkspartei - und scheint das zu glauben, was sie sagt).
Gerade in Berlin und Dresden zeigt das Mitregieren der sog. Linkspartei, das diese Partei unter (kleinen) Umständen auch gern bereit ist, Privatisierungen mit zu verantworten (mögen auch sonst noch so gute Wahlkamp- und Sonntagsreden gehalten werden).
8-€-Mindestlohn suggeriert den Arbeitern (und kommt somit dem Kapital zu Gute) dass 8 € genug sind zum Überleben und Vorsorgen. Wenn schon die sog. Linkspartei nicht mehr fordert, warum soll ich dann bei meinem Chef mehr fordern? Darf ich denn das?
Ich bin zufrieden. Hauptsache ich habe Arbeit.
In diese Richtung passt auch die menschenverachtende Einstellung in dieser sog. Linkspartei Thüringen zum Thema BUGA in Gera, dass es ein Zeichen der Einsicht der Arbeiter ist, wenn sich auf eine freie 1-€-Stelle hunderte von Bewerber melden. Es ist menschenverachtend, wenn anderen suggeriert wird, das 1-€-Jober das alles begrüßen würden, nur weil diese aus ganz einfachen existentiellen Bedürfnissen heraus diese entwürdigende Arbeit annehmen – denn der 1-€-Lohn ist kein „Gerechter Lohn für ein gerechtes Tagwerk“.
In einer Gesellschaft, in der Geld das Maß aller Dinge bedeutet und nicht die Eigentumsverhältnisse und die Machtfrage sind, ist gerechte Verteilung des Gewinns nicht möglich und jede Diskussion über „Mindestlöhne“ eine Verschleierung der bestehenden Verhältnisse und Verlängerung des Leidens der Menschen.
Mindestlöhne: Ja.
Doch warum werden keine Mindestlöhne von 158,00 € pro Stunde gefordert? Illusorisch?
Xaver Haas steht auf Platz 300 (Michael Schumacher Platz 140) in der „Reichenliste“ in Deutschland und hat einen „Stundenlohn“ nach Abzug aller Steuern von 11.206,00 € (elftausend.206,00 €)
Die Forderung nach einem Mindestlohn von unter 50,00 € pro Stunde ist unsozial und unrealistisch und geht an den tatsächlichen Gewinnen der Ausbeuter vorbei.
Und wenn die Ausbeuterklasse nicht bereit oder in der Lage ist, diesen Stundenlohn dem Proleten zu zahlen, dann müssen eben die Eigentums- und Machtverhältnisse geändert werden.
In Mittel- und Südamerika hat man schon erkannt, wohin die Reise geht.
Siehe auch:
http://www.bayern-innovativ.de/E4D245DC-A654-11D9-AE45-00034709FE0C
http://www.dr-wo.de/schriften/feudalismus/stundenlohn.htm
http://www.streifzuege.org/texte_str/str_03-1_schandl_gerechtigkeit.html
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/politischesfeuilleton/480168/
http://www.freitag.de/2004/32/04320102.php
http://www.mlwerke.de/me/me19/me19_247.htm
http://www.marxists.de/workmvmt/becker/megew4.htm
Stark bleiben!
Heinz am 10. Dezember 2006
Hallo lieber Matthias, das hast Du dir ja einen tollen Kommentar eingehandelt. Allergings erinnert mich dieses sog. vor der Linkspartei an die Zeitung mit den vier grossen -buchstaben, die setzt auch vor ihr nicht genehmen Ding das sog. der die "Gänsefüßchen" Dafür zitiert Herr/Frau Krüger aus der politischen Ökonomie wie aus der Heiligen Schrift. Ich bin mit dem Kommentator einer Meinung: unter den gegenwärtigen gesellschaftlichen Verhältnissen ist ein wirklich gerechter Lohn, der wohl etwas mit Gerechtigkeit, humanität und moral zu tun hat, nicht durchzusetzen. Ich habe aber bei soviel fundamentierten theoretischen Kenntnissen erwartet, daß Herr oder Frau Krüger auch einen praktikablen Weg zu Veränderungen aufzeigt. Es nützt den Millionen unter oder am Rand des Existenzminimums Lebenden wenig, wenn ihnen versprochen wird, daß in 20 Jahren,wenn wir an der Macht sind, alles besser wird. Das vespricht die Bibel im Jenseits auch. Es geht um sofortige Verbesserungen,egal wie man sie nennt, auch wenn es nur geringfügige Verbesserungen sind. Nach meinung des Kommentators, zumindest entehme ich das seinen Ausführungen, soll aber alles oder nichts gefordert werden. Also entweder 50 Euro Mindestlohn oder gar keinen. Ich glaube nicht, daß man damit eine Reinigungskraft mit 5 Euro Stundenlohn, überzeugen kann. Ich binn wirklich gespannt, welche demokratischen Mehrheiten Herr oder Frau Krüger für ihre Maximalforderungen finden wird, vermutlich würden da NPD und DVU mitziehen. Ich wünsche trotzden viel Erfolg. Bis es dann soweit ist, werde ich mich, wie auch viele andere Bürger, für einen gesetzlich festgeschriebenen und auch durchsetzbaren Mindestlohn einsetzen. Denn Verbesserungen sind hier und heute notwendig und nicht erst in einer fernen Zukunft. Also: stark bleiben und für einen gesetzlichen Mindestlohn weiterkämpfen. ( im Übrigen: dem "bösen" Kapitalisten kann nichts besseres passieren, wenn sich fortschritliche Kräfte, egal ob sie sich Links oder Bunt nennen, um die absolute Wahrheit streiten)
Mit internetten Grüßen Heinz
Hugo am 19. Dezember 2006
Hallo Matthias,
es sind schon wieder drei Wochen her, dass Du was von Dir hast hören lassen.
Wenn Du spätestens alle zwei Wochen posten könntest, würde mich das echt freuen.