
Matthias schrieb am Dienstag 3. April 2007:
Bin jetzt seit einer halben Stunde wieder zu Hause. Es ist jetzt gerade 6 Uhr 30. Seit gestern 19 Uhr 30 war ich arbeiten. Bin zwar geschafft, will aber schnell noch einen neuen Eintrag in mein Tagebuch schreiben.
Gestern war ich einkaufen, um den Kühlschrank wieder etwas zu füllen. Etwas Wurst, Käse, Brot, Spühlmittel, Waschpulver, Getränke und natürlich Katzenfutter für unsere 2 Katzen. Kosten: 30 Euro. Bei ALDI.
Die Nahrungsmittel werden ca. 3 Tage ausreichen. Da ist aber noch nichts dabei, was wir mittags essen. Da haben wir noch einige Konserven im Haus. Bzw. noch was im Tiefkühlfach.
Später habe ich mich an den PC gesetzt und habe noch einige Versandhauskosten bezahlt. Nichts Weltbewegendes, nur das was wir mal wieder brauchten.
Ich eine Hose für 24 Euro, meine Frau einen Bikini für 15 Euro und neue Bettwäsche. Schon waren 60 Euro wieder weg.
Die Woche vorher haben wir auch ganz schön tief in die Börse greifen müssen. Unser Auto ist durch den Tüv gekommen, aber die Gesamtsumme belief sich auch auf 400 Euro. Damit sind unsere Ersparnisse wieder bei Null.
Es wird gesagt, in diesem Tagebuch wird nur gejammert.
Es stimmt. Wir haben auch keinen Grund, uns zu freuen.
Vielleicht sollte es nicht Tagebuch, sondern
DAS BUCH DES JAMMERNS heißen!
Was haben wir noch zu erwarten? Ich werde 49, meine Frau 50. Was soll man da noch tun?
Wir sind froh,dass wir noch Arbeit haben. Eine andere Arbeit würde ich vielleicht noch bekommen, aber mit noch weniger Geld. Also wird gearbeitet, bis es nicht mehr geht.
Was ist Wohlstand.
Nicht jeden Tag aufs Geld zu schauen? Jedes Jahr in den Urlaub zu fahren? Zu überlegen, kann man sich die Hose oder die Schuhe oder das Hemd überhaupt leisten? Keine Marken-Klamotten!
Es gibt viele gute Ratschläge. Das ist das eine. Sie verwirklichen zu können, das andere. Mir ist nichts in den Schoß gelegt worden. Ich habe dafür körperlich hart gearbeitet.
Ich möchte auch mal wieder in meine Stammkneipe gehen und über Gott und die Welt reden. Aber ich kann es mir nur selten leisten.
Übrigens, in den letzten 15 Jahren waren wir 2 Mal im Urlaub. Jedes Mal auf einem Campingplatz. Einmal am Stadtrand von Dresden und einmal am Teupitzsee bei Berlin. Der Griechenlandurlaub ist mein großer Traum.
Aber den muss ich Jahr für Jahr auf Eis legen.
IST DAS WOHLSTAND ?
URL des Textes: http://www.hungerloehner.de/0/viewentry/1383
Kommentare
Marc-André Schmekel am 3. April 2007
Wenn ich mir die Sache durch den Kopf gehen lasse, muss man zu dem Entschluss kommen, dass es in Deutschland so nicht weitergehen kann.
Zu meiner Person:
Ich bin gelernter Bäckergeselle, war drei Jahre arbeitslos und bin im Moment dabei mein Abitur nach zu holen, um in diesem Land noch den Hauch einer Chance zu haben!
Mit meiner Homepage(http://freenet-homepage.de/Revolutiondeutschland), die noch in der Testphase ist möchte ich meinen Protest zum Ausdruck bringen.
Einen Link zu eurer Seite wird bald schon vorhanden sein.
Bis dann mal und gugt mal vorbei
MAS
Lisa am 4. April 2007
Mindestlohn
Ach ja, an so was dacht ich schon,
man will ihn nicht, den Mindestlohn.
Für einen Euro soll man schaffen,
damit die Firmen Gelder raffen.
Wer will von seinem Lohn schon leben,
das, bitte, ist doch sehr daneben.
Wer schwer die ganze Woche schafft,
hat für Konsum auch keine Kraft.
Da will man uns nicht mal gewähren,
sich von dem Job auch zu ernähren.
Was von der Knete übrigbleibt,
wird meist dem Fiskus einverleibt.
Mit Steuern muss man finanzieren,
so manchen Scheiß, auch Hühnerviren,
selbst Grillabende mit Spezi Bush
und Einsätze am Hindukush.
Es ist schon eine schwere Plag,
was da so sitzt im Bundestag.
Statt sich fürs Volk zu intressieren,
muss man sich anders profilieren.
In wahrer Nibelungentreue,
hält man zur Lobby, ohne Reue,
und ebenso zur Fraktion,
was zählt da ein Gewissen schon?
So wird sich mancher weiter plagen,
für Hungerlohn in diesen Tagen.
Wird putzen und das Fleisch zerschneiden,
und weiterhin in Demut leiden.
Niedriglohnsektor, voller Hohn,
nennt man heut diesen Hungerlohn.
Würd man die Wahrheit nicht verbrämen,
dann müsst man sich wohl deshalb schämen.
Hallo Matthias
ich schreibe seit längerem sozialkritische Gedichte. Hier eines, das wohl ganz gut passt.
Die Schieflage, in die man unser Land gebracht hat, ärgert mich auch schon sehr lange.
Ich glaube, wir alle müssen viel mehr zusammenstehen. Wir, damit meine ich die vielen kleinen Arbeitnehmer, die diesen Staat eigentlich tragen und die man ausbeutet, wo es nur geht.
Ich bin von Beruf Krankenschwester. Da verdient man zwar noch einigermaßen, aber man hat uns auch schon einiges gekürzt. Weohnachts- und Urlaubsgeld sind weg. Seit 2004 hatten wir keine Lohnerhöhung mehr und die Arbeit muss von immer weniger Pflegekräften geleistet werden.
Jetzt kommen auch in der Pflege Leiharbeitskräfte ins Haus. Die verdienen etwas über 9 Euro brutto. Für viele reicht das kaum, um die Anfahrt täglich zu bezahlen.
LG Wetterhexe
Wolfgang Reichelt am 4. April 2007
GG Artikel 3 Gleichheit vor dem Gesetz
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
-jedem Bedürftigen in D wird geholfen (H4,SH)
warum bezahlen dann nur AN in die Sozialkassen und nicht auch Unternehmer und Beamte - die einen können insolvent werden und den anderen hilft immer der Staat!
(Die Schweiz macht's vor - es funktioniert!)
- alle Rentenlasten gingen immer nur in die BfA (Ostrentner, Aussiedler, Familien- lstgen..) - St.subventionen des Bundes an die BfA mussten alle tragen - zusätzlich nochmals die AN!
Mit welchem Recht werden hier der ÖD und die Unternehmer nur mit der Steuerlast berücksichtigt?
Wenn eine Obergrenze der Renten, dann für alle!
Das muß auch für Pflichtrentenmitgliedschaft in der BfA und Rentenalter 67 gelten. Warum gibt's hier wieder Ausnahmen für den ÖD?
wrbrk
Anne.H am 4. April 2007
Hoi, Matthias u.die Anderen
wenn ich das alles so lese und selbst erlebe
kommt der grösste Teil der Arbeitnehmer nicht in den Genuss des "Wohlstandes".
Bei mir, im öffentlichen Dienst" werden die
regulären Arbeitsplätze nicht mehr ausgeschrieben sondern durch die 1,oo€ Kräfte ersetzt.Alle 18 Monate lerne ich neue Leute an.Viele machen sich Hoffnung auf eine Festeinstellung und sind superfleissig aber....nix ist.Ich selbst habe übrigens genau 10,00€ mehr Gehalt als ein gleichwertiger Hartz-Empfänger (alleinerziehend 2 Kinder)wurde im Jahre 2005 festgestellt.Dafür darf ich dann wenigstens auch die Schulbücher selbst bezahlen.Wohlstand ?Urlaub?Ausgehen?Hallo?
Mit besten Grüßen Anne H.
Astrid am 5. April 2007
Lieber Herr Rolle,
Den Artikel im Spiegel habe ich gelesen .... seit 5 Jahren wohne ich als Deutsche in den Niederlanden und bin schockiert, wie schwierig es inzwischen geworden ist, mit harter Arbeit ein normales Leben in Deutschland zu haben. Mein Vater war Facharbeiter, frueher vor der Rente, und konnte seine Familie immer gut ernaehren.
Warum ich aber eigentlich schreibe.... wir haben einen Computer zuviel im Haushalt, der 2 Jahre alt ist und ungebraucht auf dem Dachboden steht - vielleicht haben Sie Interesse? Wir wollen nichts dafuer haben und koennten ihn schicken, wenn wir in ein paar Wochen wieder in Deutschland bei meiner Familie sind. Hinterlegen Sie auf Ihrem Weblog einen Kommentar und dann kann ich Ihnen vielleicht meine Mailadresse zukommen lassen, um alles weitere zu besprechen.
Danke fuer den Einblick ins wahre Leben und ich werde sicher wieder im Weglog vorbeischauen.
Mit freundlichem Gruss,
Astrid und Erik Constapel
Petra Sadiki am 6. April 2007
Hallo Mathias und all die anderen,
auch ich selbst erlebe diese Missstände? oder soll man sagen Betrug an den AN hautnah.
Ich bin alleinerziehend (1 Kind, 15) und arbeite im Bewachungsgewerbe. Ich muss jeden Monat mindestens 230 Stunden arbeiten (das ist ein Wochendurchschnitt von 57,5 Std.)dabei sind sämtliche Wochenenden. Mein Ex (Öffentlicher Dienst) zahlt keinen Unterhalt, der hats ja angeblich auch nicht so dicke laut Auskunft des Jugendamtes, also bleibt mit nur Harz4 oder stundenkloppen. Für den übrigen Arbeitsmarkt bin ich mit 51 Jahren zu alt (ich bin eigentlich Kauffrau für Bürokommunikation). Zuschüsse wie Wohngeld, GEZ-Befreiung usw. bekomme ich auch nicht, da ich ja ein bisschen überm Satz bin. Langsam resigniere ich und frage mich nach dem Sinn des Lebens. Arbeitet man, hat meine keine Freizeit (wozu auch, hab eh kein Geld mal nen Kaffee zu trinken oder auszugehen)oder man lebt von Harz4 und nervt sich selbst auf Dauer den ganzen Tag. Wir reden hier über Mindestlohn, den ich persönlich auch noch für zu niedrig angesetzt halte. Aber wir sind ja bescheiden. Klotzen und kleckern tun die anderen mit unseren Sozialabgaben. Und was tun wir dagegen? Nein, nicht wie die Franzosen, protestieren, nein, wir lassen uns von den Politikern gängeln und sagen zu allem ja. Meint ihr wirklich, das sich was ändert? Ich glaube nicht. Bestes Beispiel ist ver.di dafür. Nach dem letzten Tarifabschluss im Bewachungsgewerbe haben Neuanfänger bei uns jetzt 4 Tage Urlaub weniger und die Revierfahrer dürfen auf Ihre Überstundenzuschläge verzichten, das juckt ja die Gewerkschaft nicht, da dort ja auch gut bezahlt wird und sicher in der Hängematte gelegen wird. Dies habe ich wieder einmal bei einer Besprechung unseres Betriebsrates mit ver.di gesehen. Mein Fazit ziehe ich wie folgt: Wer hier einen gut dotierten und vor allem "sicheren Job" hat, der brauch sich nicht viel kümmern. Egal ob in der Politik oder im Arbeitsleben. Hauptsache wir zahlen die Rechnung. Die goldenen Jahre sind vorbei, die Schere wird immer größer. Wenn ich höre, wir sind ein Sozialstaat. Ja das sind wir, aber für z.B. Harz4-Empfänger mit steuerfreiem Nebenjob (sprich Schwarzarbeit), für Menschen, die in der Politik arbeiten, für Menschen die sowieso Geld haben (der Spruch gilt immer noch: wo Geld ist, kommt es von allein hinzu)und für Menschen, die z.B. erheblich erben. Diese Menschen läßt der Staat gewähren, z.B. durch Steuergesetze usw., wir aber sehen unsere Abzüge nur auf der Lohnabrechnung, da man uns das Geld garnicht erst auszahlt, sondern in den großen Topf wirft, aus dem o.g. Menschen dann aus dem vollen schöpfen können. Diese Menschen wissen doch garnicht, was es heißt,trotz Vollzeitjob am 20.d.M. zu überlegen, wie man bis 31.d.M. über die Runden kommt und wie wenig man das Kind sieht.
Ich wünsche allen ein Schönes Osterfest. (Ich muss leider alle Tage 12 Stunden arbeiten um auf meine Stunden zu kommen).
Petra S.
Sarah am 6. April 2007
Hallo
ich bin Azubi verdiene jetzt nicht viel und nach meiner Ausbildung auch nicht merklich mehr aber ich komm irgendwie klar. Ich denke sowie so, dass in Deutschland auf sehr hohem Niveau gejammert wird. Was wir als Grundbedürfnis empfinden, ist anderswo luxus. Ich finde es auch furchtbar und unhaltbar, dass ein Arbeitnehmer gerade soviel verdient wie ein Hartz-Empfänger, aber das zeigt mir nur: Wir verdienen nicht zu wenig ein Hartz-Emfänger bekommt zu viel! Ich denke jeder der eine Wohnung, warmes Wasser, Essen, und Kleidung hat lebt im Wohlstand. Müssen wir denn jedes Jahr in Urlaub fahren oder den neusten Elektronik-Mist haben? Unserer Gesellschaft geht es gut, unsere Standarts sind hoch, müssen Sie denn noch höher werden?
Steffen am 6. April 2007
Hallo Matthias,
ich bin durch den Bericht im "Spiegel" auf Eure Situation aufmerksam geworden. Ich unterstütze voll die Einführung eines Mindestlohns. Ich habe im Moment zwar eine feste Stelle, war aber auch schon arbeitslos. Bin verheiratet, ein Kind. Wo Ihr Hilfe bekommen könnt, das ist bei der evangelischen Kirche (bei der katholischen wahrscheinlich auch, aber ich kann es nur für die evangelische Kirche sagen): Gebrauchte Kleider, Jugendfreizeiten und vielleicht auch günstige Lebensmittel (z.B. an Erntedank im Herbst). Aber das beste an unserer Gemeinde ist, daß man wirklich viele sympathische, hilfsbereite Leute kennenlernt, die nicht nur reden, sondern wirklich was tun.
Probiert's doch mal aus! Über eine Antwort würde ich mich freuen.
THX1138 am 7. April 2007
Derjenige, der hier geschrieben hat, dass es in der Schweiz besser funktioniert, irrt gewaltig: Natürlich sind unsere sozialen Sicherungssysteme finanziell breiter abgestützt, als beispielsweise in der BRD. Das hat jedoch keinerlei Einfluss auf die Anzahl der working-poor, die Unterbeschäftigten-Quote, die Sozialhilfe- und Fürsorgestatistik und schlussendlich die Quote der IV-Bezüger, in die am Ende all jene "versickern", die keine Beschäftigung mehr finden oder invalid sind- was natürlich u. a. unseren offiziellen Arbeitslosenzahlen nützt: Die sind in der Schweiz doch soooo niedrig, hahaha! Wer glaubt, die Schweiz sei eine Art von Nirwana im sozialen und volkswirtschaftlichen Bereich, der irrt sich gewaltig: In unserer Alpenrepublik zeichnen sich die genau gleichen sozialen Trends ab, wie im gesamten europäischen Umfeld- wenn auch bisher auf ungleich höherem Niveau, zugegeben. Allerdings brechen immer breiter werdende Teile der Gesellschaft nach unten weg. Allerdings wird das in der Schweiz eher unter den guten alten Teppich des allgemein verbindlichen, politischen Konsenses gewischt. Grüsse aus der Schweiz THX1138
manu am 9. April 2007
hallo,
muß euch in vieler hinsicht recht geben, aber, es ist auch so das mittlerweile ansprüche gestellt werden von menschen die im gegenzug nicht bereit sind dafür auch was zu tun.
ich hab mein ganzes leben gearbeitet, hab eine tochter großgezogen, hab für die dinge die ich gern wollte gespart und bin kompromisse eingegangen. nur,das will heute keiner mehr, alle wollen nur haben und haben......wollen sich nicht die hände schmutzig machen und wenn möglich mit 22 nen benz kutschieren.
ich kenne mindestens 20 leute, die das was ich gemacht habe, nämlich immer nur arbeiten, zu den unmöglichsten zeiten und unter teilweise schwierigen bedingungen, das will keiner.
genuß und konsum ist hier angesagt und malochen ist doch megaout.
und, der staat hat für seine leute zu sorgen (zitat einiger freunde meiner tochter)
nee leute, jeder ist seines eigenen glückes schmied, das war schon immer so und das bleibt auch so!!!!
ach, und nochwas, wer bequem im katalog shoppen kann, dem gehts heutzutage auch nicht schlecht. also mein mitgefühl habt ihr nicht.
l.g. manu
Jörn am 10. April 2007
@manu
ich denke hier das Ganze an einer Gruppe junger Mensch, die kein Bock hat zu arbeiten, solltest du unseren Wohlstand nicht fest machen.Auch glaube ich kaum, daß hier nur Menschen schreiben die schon am untersten Tiefpunkt ihrer Karriere oder Lohn angekommen sind.Ich persönlich arbeite auch mein Leben lang und habe mich nie beklagt, da immer genug Geld da war für die Familie. Es fällt aber auf, daß man sich in der heutigen Zeit fragen muß, wo das Geld bleibt? Alles wird teurer, Energiekosten steigen rapide und die Gehalterhöhungen die es vor dem Euro gab, gibt es schon lange nicht mehr. Wenn du nur mal eins und eins zusammen rechnest wird auch dir bewusst das Deutschlands Armut bald wirklichkeit ist. Ich habe seit 6 Jahren keine Gehaltserhöhung mehr bekommen. Wenn du jetzt nur eine Preissteigerungsrate von 2% nimmst und die Mehrwertsteuererhöhung von 2006 noch dazu wirst du feststellen das das Geld nicht mehr geworden ist. Das heisst den Wohlstand reduzieren auf das nötigste. Das bedeutet: essen, schlafen, arbeiten? Na denn...und wo bleibt die Freizeit? Na ja, es reicht ja wenn die Aktionäre die Freizeit gestalten und wir schätzen uns glücklich noch arbeit zu haben und ich denke der Schmied wurde auch schon von Maschinen ersetzt.
MfG Jörn
Holger am 12. April 2007
Hi, ich bin durch den Spiegel-Artikel auf Eure Seite gekommen und war neugierig, was hier zum Thema gemacht wird. In gewisser Weise muss ich gestehen, dass ich den Blog genauso erwartet hatte. Grundsaetzlich vertrete ich die Meinung: Hilf Dir selbst und Dir wird geholfen. Leider trifft dies nicht immer zu und es gibt Situationen, da kann man sich nicht mehr selber helfen, wie ich auch schon in der Familie erfahren musste. Aber dafuer ist dann in erster Linie die Familie da und nicht der Staat oder die Gemeinschaft. Trotzdem faellt mir auf, dass sich sehr viele Gedanken hier um die boesen Politiker, Gewerkschafter, Unternehmer etc. drehen, die den armen kleinen Leuten nicht helfen. Nur kurz zur Erinnerung, unser schoenes Land hat eine parlamentarische Demokratie. Soll heissen: Die Politiker werden von uns gewaehlt. Nun kann man anfangen das Wahlsystem zu bemaengeln, aber trotzdem bleibt es eine Basisdemokratie, die durch Eintritt in eine politische Partei und aktiver Mitarbeit gestaltet werden kann. Jetzt wird mir sicher entgegengehalten, dass nach 10 Stunden Maloche keine aktive Mitarbeit in einer Partei mehr moeglich ist – hhhmmm, sehe ich ein, aber so funktioniert es nunmal. Kommen wir zu den Gewerkschaftsfuehrern. Auch die werden gewaehlt und nicht von irgendeinem Eigentuemer eingesetzt. Gestalten funktioniert auch hier durch Mitarbeit in den Institutionen – sieht so aus, als haetten wir das gleich Dilemma wie in der Politik. Und zum Schluss noch das boese Kapital. Mal so unter uns: Wer hat damals bei der Volksaktie Telekom das grosse Geld gewittert und auch welche gekauft? Ups, schon war man Teil des Kapitals. Gut, schlussendlich kam nur zeitweise was dabei rum und man sollte sie in den Zeiten der New-Economie verkauft haben, aber die Dollarzeichen waren bei sooo vielen auch kleinen Leuten in den Augen zu sehen! Auch wenn es uns nicht passt, aber durch die technischen Veraenderungen rueckt die Welt zusammen. Ein Server muss nicht mehr vor Ort betrieben werden, sondern kann in Deutschland von irgendeinem Punkt auf der Welt zu einem Bruchteil der Kosten gemonitort werden. (Waere interessant, wo der Server dieses Blogs steht ;o) ) Da hilft auch kein Politiker oder Gewerkschafter, denn die koennen sich nicht jede Datenleitung anschauen und laut STOP sagen. Der Ruf ist go east – irgendwann sind wir wieder Osten wenn wir stehenbleiben, oder investieren dann doch mal in Bildung und Infrastruktur und beginnen die Veraenderungen zu gestalten. Nehmt meinen Beitrag als Aufforderung die Dinge mit zu gestalten und nicht nur zu kommentieren.
Anne.H am 12. April 2007
Hoi, manu
so wie Du es betrachtest ist es nicht.Die die sich nie die Finger schmutzig machen und trotzdem Benz fahren wird es immer geben auch die welche mit 345,Tacken super leben.
Auch ich habe immer gearbeitet, immer alleinerziehend vor 28 Jahren mit zwei Kindern und nun wieder mit 2 Kindern und ???
Mein Gehalt ist so geblieben das ich 1. ab 2000 den Benz abschaffen musste, zwangsumgesiedeld wurde,Sportaktivitäten ausfallen.Mehr wie arbeiten kann ich auch nicht aber ich sehe nicht ein das es echt nur ums nackte überleben geht und die Konzerne fett werden.Nach den Gesetzen die wir zu erfüllen haben sollten sämtliche Arbeitslosen endlich die leerstehenden Kaseren anstreichen,jeder Familie sollte ein Raum zugewiesen werden und von dort sollten wir zur Arbeit laufen.Beim Einzug sollte vieleicht auf arbeitsfähigkeit geachtet werden.Sicherlich findet sich ein guter Schlosser der auch ein Tor baut und ein guter Schmied der den Eingang mit dem Spruch arbeit macht frei schmückt.Wenn bestimmte Dinge des alltäglichen Lebens für den Großteil der Bevölkerung unter "Wohlstand" fallen ist etwas nicht in Ordnung.
mfg Anne
Jörn am 14. April 2007
@Holger
Ich gebe dir, bei dem was du geschrieben hast, leider ein wenig recht.Wer nicht aktiv mitarbeitet, kann natürlich nicht erwarten, daß sich an unserem System etwas ändert. Meine Meinung dazu ist aber, wer mitarbeitet ist dann natürlich auch ein Teil des Systems.Korrupt, bestechlich und abhängig!Schau dir nur Herrn Hartz und seine korrupten Gewerkschafter an.Was nützt Einem schon ein Parteibuch, wenn man dann nur auf unterster Ebene (Komunalpolitik irgend etas bewegen kann) Aber nicht an der obersten Stelle? Ein Fleischergeselle und ein Kraftfahrer wird es kaum in die gehobenere Gesellschaft schaffen um dort oben etwas zu bewegen. Da fehlt die Lobby.Es gibt da einen ganz witzigen Film...schön zum lachen..."zum Teufle mit den Kohlen!" Sehenswert ist die Szene, wo Er sagt..."keiner von Denen da oben!" Ich denke, wir brauchen keinen RECHTSTAAT sondern einen GERECHTIGKEITSTAAT! Vielleicht gibt es ja mal wieder eine Partei des kleinen Mannes,wo man sich auch als NORMALBÜRGER wieder mit identifizieren kann. Zur Zeit ist es meiner Meinung nach, nicht möglich.
Uwe B. am 19. April 2007
@manu:
Du hast dein ganzes Leben viel gearbeitet, Tochter großgezogen usw. Was hast du als Gegenleistung erhalten? Hoffentlich wenigstens jeden Monat den dir zugestandenen (nicht zustehenden) Lohn? Mit welchem Recht hat sich derjenige, welcher sich Arbeitgeber nennt den Löwenanteil der von dir erarbeiteten Werte für sich selbst behalten?
Macht es dich glücklich, einem fremden Menschen ein Luxusleben zu finanzieren, selbst aber zu rotieren und trotzdem nur so lala dahinzuleben? Wenn du diese Fragen für dich selbst beantwortet hast, denkst du eventuell etwas anders. Und zum Satz, jeder ist seines eigenen Glückes Schmied:
Ok, wir werden alle "Unternehmer". Wer erledigt dann die Arbeit? Wer ist dann unser "Arbeitnehmer"?
Das Grundübel der Gesellschaft, egal welcher, ist doch der Egoismus des Menschen. Jeder nimmt was er bekommen kann, ohne Rücksicht, ohne Skrupel. Der Rücksichts - und Skrupelloseste kommt am weitesten, noch weiter kommt er wenn er dazu noch kriminell ist und mittels seiner materiellen Macht unsere "unabhängige" Justiz davon abbringen kann, ihm ernsthaft wehzutun. Das nur nebenbei erwähnt.
@Holger:
Wer entscheidet in welcher Gesellschaftsordnung wir jetzt leben? Gibt es dazu wissenschaftlich nachvollziehbare Definitionen, unumstößliche Naturgesetze?
Eins und eins sind zwei, das ist so und keiner wird es anzweifeln oder gar das Gegenteil beweisen können. Es wird gesagt, wir leben in einer sozialen Marktwirtschaft und wir haben Basisdemokratie. Wir dürfen ja frei wählen (denjenigen, welcher von seiner Partei aufgestellt wurde). Es mag andere Varianten geben - ich weiß es nicht, da sind aber die Hürden so hoch das diese Varianten nicht relevant sind. Wir können auch in eine Partei eintreten, richtig. Die Partei freut es, sie muß finanziert werden. Erreichen werde ich damit nichts, da ich mich der Parteidoktrin unterwerfen muß oder im Abseits stehe. Die Parteidoktrin legt der Vorstand fest, das Parteivolk darf zum Parteitag brav Pfötchen heben. Im Vorstand sitzt, wer Lobby hat. Die haben materielle Macht. Wer im Vorstand sitzt sollte schon spuren, sonst kommen schnell mal unsere ach so unabhängigen wie privaten Medien ins Spiel und inszenieren paar niedliche Intrigen. Und wer im Vorstand sitzt verdient gut, möchte gern da bleiben. Das kann man beruhigt von Parteivorständen auf alle politischen Ämter übertragen. Auch hier gilt, Ausnahmen, sollte es je welche gegeben haben, bestätigen die Regel.
Verschiedene Abgeordnete mögen mit edlen Absichten und Prinzipien ins Parlament eingezogen sein und wollten nur ihrem Gewissen verpflichtet sein, da traf sie der Fraktionszwang.....
Klar, ich kann jederzeit mit paar Leuten selbst eine Partei gründen. Dazu aber gehört wiederum Geld. Parteien finanzieren sich neben den Mitgliederbeiträgen aus Spenden. Spenden kann wer Geld übrig hat. Dem liegt nichts daran einer Partei zu spenden die seinen Profit eventuell mal schmälern könnte.
Also bleibt meine Partei mangels finanzieller Mittel im Abseits. Nebenbei wird sie, sollte sie als potentielle Gefahr für Kapitalhaie eingestuft werden, mittels Medienkompanie in die rechte oder linke Ecke gedrängt. Und da das beides böse ist, kann man doch sowas nicht wählen...
Das alles ist durch Gesetze sanktioniert, welche sich jeder Staat nach gutdünken selbst macht.
Dazu sagt man soziale Marktwirtschaft und Basisdemokratie.
Ich nenne es Diktatur des Kapital. Wer beweist mir nachvollziehbar das Gegenteil?
langer michel am 26. April 2007
@uwe b.: OOh wie recht du hast und kaum ein deutscher Bürger weiß es. DÃe großen Konzerne gestalten die Politik (durch großzügige Parteispenden,steuerlich absetzbar)und würden einen Teufel tun nicht ihre eigenen Interessen zu vertreten. Ich finde es schade, das so manch Otto Normalverbraucher immer noch wählen geht. Ich finde es traurig, das die Medien es immer noch schaffen, einen Keil zwischen Hartz IV - Empfänger und Arbeitnehmer zu treiben. Beides gehört auch laut Spiegelbericht zur Unterschicht. (Bin selbst ein einfacher Arbeiter, 8,56€ Stundenlohn Familie 3 Kinder) Bis vor 3 Jahren ein gesicherter Job, 13 € Stdlohn, Lebensunterhalt gesichert. Seit neuer Betriebsleiter das Unternehmen leitet und selbst als grösster Subunternehmer für die Firma arbeitet, hat die Firma 180 Arbeiter entlassen. Teils mit guten Abfindungen, die "ER" nicht zahlen musste. Die Hälfte hat der Betriebsleiter wieder bei sich eingestellt, als befristete Aushilfkräfte für 5-7 € weniger Stundenlohn. oder als 400€Jobber die mit staatlicher Stütze ihren Lebensunterhalt finanzieren. Bei hoher Auftragslage kommen einige Praktikanten hinzu, die das Arbeitsamt ihm zur Verfügung stellt, natürlich kostenfrei und ohne Aussicht auf eine Festanstellung, aber das wissen die Praktika noch nicht und sind entsprechend fleissig. (in den ersten 6 Monaten waren es immerhin 70 Praktikanten die sich um 5 Arbeitsplätze bemüht haben, aber keiner eingestellt wurde. Wer hier immer noch meint, das unsre Hartz IV - Empfänger die größten Sozialschmarotzer sind, ist nicht auf dem Laufenden. Natürlich gibts diese Sozialschmarotzer, aber was sind wenige Millionen im Staatshaushalt, gegen milliardenschwere Subventionen, die unsere Unternehmer bekommen??? Wußtet Ihr, das wir in Deutschland über 500 Unternehmen haben, die ihre "Hauptgeschäftsstelle" in einem kleinen Ort in Norddeutschland haben, dieser Ort nur 120 Einwohner hat, aber keine Gewerbesteuer verlangt? Wußtet Ihr, das es ca 250 Unternehmen in Deutschland gibt, die bei gleicher prozentualer Steuerbelastung wie ein Facharbeiter mit Familie alle Kosten des Hartzschen Gesetz bezahlen könnten? ALLE RÄDER STEHEN STILL, WENN DER STARKE ARM DES VOLKS ES WILL! Man muss nur wissen, wie man das Volk in seiner Meinung spaltet, es sich nicht einig ist und schon können unsere Kapitalisten mit uns spielen wie Sie wollen. Wenn wir als Volk uns einig wären und folgende teils fantastisch anmutende Dinge machen würden, kommt die Politik nicht drumherum, etwas zu ändern, und zwar zu gunsten des "gemeinen" Volks, das sind alle, Arbeitnehmer, Angestellte, Beamten, Rentner, Pensionäre Arbeitlose die weniger als 1000€ im Monat zur Verfügung haben: An einem bestimmten Tag geht niemand zur Arbeit, egal wo, egal wer (alle Räder stehen still) Alle verzichten an einem bestimmten Tag auf Ihr Auto, sehr hohe steuerliche Einbussen. Alle Raucher hören von heute auf morgen mit dem Rauchen auf, steuerliche Einbußen. Eine Wallfahrt zum Berliner Bundestag: mit Stürmung des selbigen, natürlich waffenfrei: Wenn Millionen deutsche Bürger das Berliner Regierungsviertel lahmlegen, ohne Gewalt, kann die Regierung nicht mit Gewalt antworten. Sie MUSS auf die Reaktion und Demonstration reagieren. Diese Sachen muten natürlich fantastisch an, aber vor 20 Jahren hieß es auch noch: Die Renten sind sicher, jede Lebensversicherung sorgt für einen ruhigen Lebensabend.
Schade, das es nie soweit kommen wird, denn den Deutschen wird fürs Andersdenken = Falschdenken suggeriert. Wer Andersdenkt, wird von der Gesellschaft ausgegrenzt.
In diesem Sinne
Anne.H am 30. April 2007
@langer Michel,
und wann tun wir es ?Viele scheinen das System nicht zu begreifen, ansonsten kann ich mir nicht erklären warum sowenig aud die Strasse gehen.Nur wir "das Volk" können es ändern.,
Grüße Anne.H