
schrieb am Mittwoch 31. Mai 2006:
Noch eine Stunde, dann muß ich wieder auf Arbeit.
Gestern Nacht habe ich mich mit einigen Kollegen unterhalten. Da erfuhr ich, dass es einige Kollegen gibt die mit Zuschlägen gerade mal auf 1000 Euro kommen. Da war ich schockiert. Das habe ich wircklich nicht eimal geahnt.
Da bin ich ja noch super dran.
Heute habe ich in den Nachrichten gelesen, dass es jetzt einen ML gibt für Zeitarbeitsfirmen.
Aber warum werden wieder Unterschiede von Ost und West gemacht. Im Osten gibt es knapp 1 Euro weniger.
Ich dachte immer, wir sind ein Volk.
Langsam habe ich die Vermutung, dass es gewisse Kreise gibt, die den Unterschied zwischen Ost und West künstlich aufrecht halten. Soll Neid und Hass geschürt werden?
Das kommt auch bei mir manchmal vor. Dafür will ich mich entschuldigen.
Warum geht der ML bei den Zeitarbeitsfirmen und bei den anderen nicht? Das verstehe wer will.
URL des Textes: http://www.hungerloehner.de/0/viewentry/943
Kommentare
Martina am 31. Mai 2006
Hallo Matthias,
falls das gestern so geklungen haben sollte: ich war NICHT sauer wegen Deiner Ost/West-Bemerkung. Wenn man so unter Druck steht, ist es schwer bis unmöglich, immer "über den Dingen" zu stehen und alles immer objektiv zu betrachten. Ging mir früher selber so. Inzwischen habe ich Bekannte und Freunde in ganz Deutschland, und es hilft wirklich, wenn man sich kennenlernt und herausfindet, dass es überall solche und solche Menschen gibt. Und dass die Probleme grundsätzlich so völlig verschieden gar nicht sind.
Na ja, das mit den Mindestlöhnen für Zeitarbeitsfirmen habe ich nicht mitbekommen. Aber wenn es so ist, wie das klingt, ist es doch immerhin ein Anfang - würde ich mal ganz ganz ganz vorsichtig sagen.
Viele Grüße
Martina
Siegbert Grotelüschen am 31. Mai 2006
Hallo Matthias,
als erstes möchte ich Dir sagen, dass ich deinen Mut in die Öffentlichkeit zu gehen bewunder. Die 4 Seiten inclusive Kommentare habe ich gelesen und bin sehr beeindruckt. Die Geschichte Deiner Familie zeigt mir wie wichtig es ist Deine Realität sichtbar für andere zu machen.
Nun zu den Zeitarbeitsfirmen: Zeit- und Leiharbeit ist gesetzlich geregelt. Ich bin in der Freistellung des Betriebsrat der Telekom und unsere Leiharbeitnehmer müssen wenn es keine tarifliche Regelung gibt wie unsere eigenen Beschäftigten entlohnt werden (das ist gesetzlich so geregelt).
Wird nun ein Mindestlohn gezahlt oder gibt es einen Tarifvertrag für Leiharbeitnehmer so ist die betriebliche Bezahlung nicht mehr maßgebend.
Der Mindestlohn für Zeitarbeiter ist somit eine weitere Möglichkeit für große Unternehmen Lohndumping zu betreiben.
Dir und Deiner Familie wünsche ich alle Kraft dieser Welt und die Zuversicht auf eine lebenswerte Zukunft.
Siegbert Grotelüschen
Wolfgang Lörcher am 9. Juni 2006
Hallo Matthias,
für Leiharbeiter gibt es keinen Mindestlohn in dem Sinne, es handelt sich hier um einen Tarifvertrag. Was aber übersehen wird, sind die Umstände die die Leiharbeit begleiten.
Hier bei uns in Fulda, gibt es Unternehmen, die ihre Beschäftigten nur noch aus Leiharbeitern bestreiten. Ich selbst habe einmal so gearbeitet. Ich bekam 6,80€/ Std. und meine Kollegen 11,50€. Die Gesetze rund um die Leiharbeit wurden geändert, heute kann eine Firma Leiharbeiter ein Leben lang beschäftigen. Durch den geringen Stundenlohn kam ich inkl. Nachtschichtzulage auf ca. 850.-€ im Monat und war ein Sozialfall.
Leiharbeit hebelt somit Tarifverträge aus und mutiert zu einer modernen Sklavenhaltung, unter Einbeziehung der Sozialkassen. Die Gewinner dieser Politik, Selbstständige und Unternehmer, zahlen nicht einmal Sozialabgaben.
Durch dir tarifliche Anhebung des Mindestlohnes für Leiharbeiter ändert sich das nur geringfügig, da bei normaler Arbeitszeit der Monatslohn dann etwa 50.-€ höher liegt.
Wie sie sehen, gibt es auch im westlichen Teil Deutschlands Menschen, die mit 3-Schichtarbeit weniger verdienen, als sie zum existieren benötigen.
Ich habe deshalb eine Petition beim Deutschen Bundestag eingerreicht.
Leider werden unsere Gesetze von Politikern gemacht, die sehr oft auf der Gehaltsliste der Grossunternehmen stehen, deshalb glaube ich nicht an eine Änderung der Zustände.
Alles Gute
Wolfgang Lörcher